Presse-Information - 2. Juli 2021

Vom sozialen Sterben und der Notwendigkeit der Trauerbegleitung

240 Teilnehmende diskutierten bei den 22. Süddeutschen Hospiztagen über Sterben und Leben in der Pandemie

Freiburg. Die Corona-Pandemie bringt uns in Grenzsituationen des Menschseins. Der Alltag ist geprägt von Einschränkungen, Begrenzungen und Verlusten. Lebensnotwendige Zuwendung und menschliche Nähe verkehren sich – virusbedingt – in Lebensgefährdung. Wie kann es gehen, jemanden beim Sterben zu begleiten, wenn Abstand, Mund-Nasen-Schutz und Handschuhe das Gebot der Stunde sind? Was kann Menschen in ihrer Trauer helfen, wenn sie aufgrund der Corona-Regeln ihre Angehörigen nicht begleiten und nicht verabschieden konnten? „Nachgetrauert“ – so lautete die Überschrift der 22. Süddeutschen Hospiztage am Donnerstag in Freiburg. Geprägt von der Coronapandemie wurden Facetten des Trauerns ausgeleuchtet und die Teilnehmenden beschäftigten sich mit der Vielfalt im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer.

In der Pandemie sind viele schwerkranke und alte Menschen ohne ihre An- und Zugehörigen gestorben. Die Möglichkeit, direkt Abschied zu nehmen, war und ist sehr eingeschränkt. Und danach? In dieser Situation fehlen Rituale des Trauerns. Der Einsamkeit des Sterbens folgt die Einsamkeit des Trauerns. Mit dem Beitrag von Professor Traugott Roser, Theologe aus Münster, stand das Sterben als Exklusionserfahrung, als ein Hinaussterben beziehungsweise Hinausgestorbenwerden im Vordergrund. Dem physischen Tod gehe oft ein soziales Sterben voraus. Roser verwies auf den Sozialraum und die gesellschaftlichen Aufgaben von Sorge. Denn die Präsenz von Menschen und die Arbeit der Hospizbewegung prägten Atmosphäre, veränderten Orte und gestalteten Räume der Sorge. Ihre Anwesenheit schaffe, so Roser, soziale Güter. So könnten die Orte des Sterbens zu einem Raum der sozialen Teilhabe werden.

Marianne Bevier vom Bundesverband Trauerbegleitung aus Mannheim richtete in ihrem Vortrag den Blick auf die Bedürfnisse der Trauernden. Ein trauernder Mensch schreibe mit seiner Trauer seine Geschichte neu und findet dabei auch ein neues Selbstbild. „Wir leben in einer Zeit der Trauer. Die Pandemie verstärkt die Notwendigkeit von Trauer. Trauerbegleitung ist eine gesellschaftliche Aufgabe, bei der die Hospizengagierten eine zentrale Rolle spielen“, fasste Bevier ihre reichhaltigen Erfahrungen zusammen. Trauerbegleitung benötige Zeit und Räume, um diese Deutungsprozesse auszuformulieren. Auch aus diesem Grund empfahl sie, in der Hospizarbeit die Sterbebegleitung von der Trauerbegleitung personell zu trennen. Schließlich gehe es um einen anderen Fokus, idealerweise an einem anderen Ort und mit einem anderen Begleitenden.

Mit den nachmittäglichen Workshops wurde ein bunter Strauß von Themen gebunden. Über die Sorge und Kooperation bei der Trauerbegleitung im Sozialraum, die Arbeit mit den Erfahrungen von Einsamkeit, Schuld, den kulturellen unterschiedlichen Vorstellungen, die den Umgang mit Tod und Trauer ausmachen können, bis hin zur notwendigen Selbst-verständlichkeit von Trauer und der Zumutung und Zuversicht, dass es – anders – weiter gehen wird. Innehalten und aushalten, sich zur Verfügung stellen und fragend auf Spurensuche begeben und mit neuen Ideen die Trauerarbeit unterstützen, das waren die abschließenden Überschriften in der Schlussdiskussion bei den Süddeutschen Hospiztagen.

Veranstaltet wurden die Süddeutschen Hospiztage vom Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg, dem Diakonisches Werk Baden, der Evangelische Akademie Baden, dem Hospiz- und PalliativVerband Baden-Württemberg und der Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg.

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