Trauer ist keine Störung

Presseinformation des DHPV

Berlin, 13. Dezember 2018. Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) wendet sich in einer heute veröffentlichten Stellungnahme gegen Bestrebungen, die Diagnose „Anhaltende Trauerstörung“ (Prolonged grief disorder) in die internationale Klassifizierung der Krankheiten (ICD) aufzunehmen.

Bei Einführung dieser Diagnose besteht die Gefahr, die Trauer insgesamt wieder als "Störung" wahrzunehmen sowie den Trauerprozess zeitlich zu normieren.

„Grundsätzlich ist die Einführung einer Diagnose, die es Menschen ermöglicht, bei einem Verlust auch psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen zu können, sehr zu begrüßen“, so Professor Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des DHPV. „Hier von einer Störung zu sprechen, läuft allerdings einem positiven Verständnis von Trauer zuwider.“

Der DHPV schlägt stattdessen den Begriff „Belastungsstörung nach Verlust“ (Post-loss stress disorder) vor. Diese Formulierung trägt zum einen der Tatsache Rechnung, dass es auch Verlusterfahrungen gibt, die therapeutische Hilfe notwendig machen. Vor allem aber berücksichtigt er die Bemühungen und Erfolge der letzten Jahrzehnte, eine neue Kultur der Trauer zu etablieren.

„Gerade im Deutschland der Nachkriegszeit war es ein weiter Weg hin zu einem Verständnis von Trauer als Prozess, der grundsätzlich sinnvoll und positiv ist und seine Zeit braucht“, so Kläre Winhuysen, Leiterin der Fachgruppe Trauer des DHPV. „Diese Entwicklung ist mit der geplanten Bezeichnung in der ICD-11 in Gefahr.“

Hintergrund

Im Entwurf der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die neue elfte Version ihres Klassifikationssystems für medizinische Diagnosen (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, kurz ICD-11) ist als neue Kategorie 6B42 die „Anhaltende Trauerstörung“ vorgesehen. Die ICD-11 soll im nächsten Jahr auf der Weltgesundheitsversammlung verabschiedet werden und ab Januar 2022 gelten.

Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V. ist seit 1992 die bundesweite Interessenvertretung der Hospizbewegung sowie zahlreicher Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland. Als Dachverband der Landesverbände in den 16 Bundesländern sowie weiterer überregionaler Organisationen der Hospiz- und Palliativarbeit und als selbstverständlicher Partner im Gesundheitswesen und in der Politik steht er für über 1.200 Hospiz- und Palliativdienste und -einrichtungen, in denen sich mehr als 120.000 Menschen ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich engagieren.

Kontakt

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