Aktionsplan zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Baden-Württemberg

Interview mit Frau Staatssekretärin Bärbl Mielich MdL des Ministeriums für Soziales und Integration

Am 14. September 2018 hat das Ministerium für Soziales und Integration auf dem Bürgertag "Zukunft der Hospiz- und Palliativversorgung" den mit dem Hospiz- und PalliativVerband Baden-Württemberg e. V. entwickelten Aktionsplan zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Baden-Württemberg vorgestellt. Der Aktionsplan umfasst Programme und Projekte zur Verbesserung der Palliativkompetenzen in Pflegeeinrichtungen, der Trauerbegleitung, der Situation stationärer Hospize, der Kinderhospizarbeit und der Bürgerinformation.

Der Hospiz- und PalliativVerband Baden-Württemberg e. V. (HPVBW) hat mit Frau Staatssekretärin Bärbl Mielich MdL des Ministeriums für Soziales und Integration gesprochen:

HPVBW: Frau Mielich der Bürgertag "Zukunft der Hospiz- und Palliativversorgung" des Landes ist gerade zu Ende gegangen, was ist Ihr erster Eindruck?

StS Mielich: Ich bin sehr positiv überrascht. In unserer Gesellschaft haben immer noch zu viele Menschen Hemmungen im Umgang mit den Themen Sterben und Tod, für manche ist das einfach ein Tabu. Da ist es ermutigend zu sehen, dass sich, so wie am heutigen Tag, viele Bürgerinnen und Bürger aktiv für ein Umdenken und einen anderen Umgang mit dem Tod engagieren.

HPVBW: Die Landesregierung hat einen umfangreichen Aktionsplan auf den Weg gebracht. Warum ist Ihnen die Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung so wichtig?

StS Mielich: Eine verantwortungsbewusste und aufgeklärte Gesellschaft muss Sterbenden und deren Angehörigen so viel Unterstützung und Geborgenheit geben wie nur möglich. Die Landesregierung betrachtet es deshalb als eine zentrale Aufgabe, sich für die Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung im Interesse der Bevölkerung Baden-Württembergs einzusetzen.

HPVBW: Wo sehen Sie aktuell den größten Bedarf in Baden-Württemberg?

StS Mielich: Auch wenn das Hospiz- und Palliativgesetz aus dem Jahr 2015 sehr richtige und wichtige Weichenstellungen vorgenommen hat, sehe ich noch weiteren Handlungsbedarf. Zum Beispiel halte ich die Trauerbegleitung für ein ganz wichtiges Instrument, um sterbende Menschen zu unterstützen und Angehörige zu stärken und zu stabilisieren. Hier setzt unser Programm zur Förderung der Weiterbildung Ehrenamtlicher genau an der richtigen Stelle an. Der wahrscheinlich wichtigste Bereich ist für mich aber die Verbesserung der palliativen Versorgung in Pflegeheimen. Die Liegezeiten werden hier immer kürzer, und Pflegeheime übernehmen immer stärker hospizliche Aufgaben, werden immer mehr Orte des Sterbens. In der Altenpflegeausbildung spielt die Pflege sterbender Menschen aber eine sehr untergeordnete Rolle. Auch die Hauswirtschaft und andere Bereiche sind oft nicht gut auf sterbende Menschen vorbereitet. Da wollen wir ran und bezuschussen die Weiterbildung der Beschäftigten im Bereich der Palliativversorgung. Ich finde aber auch viele der Vorschläge, die heute auf unserem Bürgertag gemacht wurden, sehr spannend.

HPVBW: Und zwar?

StS Mielich: Der Vorschlag, dass wir als Land Pflegeheime auch dabei unterstützen sollten, ihre Haltung zu Sterben und Tod zu verbessern - letztendlich also dabei unterstützen sollten eine Palliativkultur zu etablieren, hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Letztendlich sollte es in jeder Einrichtung ein Palliativteam oder einen Palliativbeauftragten geben. Das wäre nicht nur für die Bewohner und deren Angehörigen notwendig, sondern auch für die Pflegekräfte sehr wichtig. Wie wir sehr eindrücklich geschildert bekommen haben, fühlen sich Pflegekräfte beim Umgang mit sterbenden Menschen oft unsicher. Eine Stelle im Heim, die pflegerische Tipps gibt, aber auch einfach mal als Ventil in besonderen Stresssituationen oder zur Stabilisierung im Alltag da ist, sehe ich als dringend notwendig an.

HPVBW: Letzte Frage: Was ist Ihre Vision für die Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland?

StS Mielich: Ich denke, dass eine so wohlhabende Gesellschaft wie die unsere es sich leisten kann und muss, allen Bürgerinnen und Bürger einen würdevollen und geborgenen Tod zu ermöglichen - und das vollkommen unabhängig davon, ob die sterbende Person arm oder reich ist. Ich wünsche mir, dass es jedem Menschen ermöglicht wird, diesen letzten Weg dort zu gehen, wo er sich am wohlsten und sichersten fühlt - sei es in der eigenen Wohnung, in einem Pflegeheim oder in einem Hospiz. Und dafür wollen wir als Landesregierung im Rahmen unserer Möglichkeiten sorgen."