Absage an jede Form von Sterbehilfe

Die Debatte um ärztlich assistierten Suizid und gewerbliche Sterbehilfe beschäftigt derzeit auch die Menschen in Esslingen. Susanne Kränzle, die Leiterin des Hospiz Esslingen der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde, hatte deshalb Markus Grübel, Esslinger CDU-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, zum Austausch ins Hospiz eingeladen. Grübel ist schon lange Mitglied im interfraktionellen Gesprächskreis Hospiz und Palliativmedizin im Bundestag und moderiert diesen auch.

Er hat zu diesem Thema eine klare Position: „Ich lehne jede Form aktiver Sterbehilfe ab“, sagte er im Hospiz Esslingen. Die Antwort darauf sei die Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen, wie sie von der Hospizarbeit und der Palliativmedizin geleistet werde. Um sterbende Menschen auch zuhause angemessen palliativmedizinisch betreuen zu können, sei der flächendeckende Ausbau der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) dringend geboten. „Bevor es keine flächendeckende Palliativversorgung gibt, dürfen wir nicht über assistierten Suizid reden. Das kann nicht der richtige Schritt sein“, betont auch Susanne Kränzle. Vor allem in Bezug auf Schmerztherapie sieht auch sie noch viel Nachholbedarf in der Ausbildung von Ärzten. Schmerzen seien oft der Grund, warum Menschen sterben wollten. Doch Grübel weiß auch, dass Antwort auf die Frage ob ein Mensch leben oder sterben will, oft rasch wechselt. „Was ist dann wirklich der Wille?“, fragt er. Wie sehr eine gute hospizliche und palliativmedizinische Begleitung helfen kann, schildert Kränzle am Beispiel zweier Männer, die im Hospiz Aufnahme fanden. „Beide hatten im Lauf ihrer Erkrankung Suizidversuche gemacht. Danach kamen sie zu uns und dies war nie wieder Thema.“

„Organisationen, die Sterbehilfe betreiben, sollen dies nicht gewerblich tun dürfen und auch keine Werbung machen“, so Grübels Forderung. „Sowohl kostenlose als auch gewerbliche Sterbehilfe sind abzulehnen“, ist er sich mit Kränzle einig. Mitleidstötungen von Angehörigen oder Pflegepersonal könne er zwar menschlich verstehen, aber trotzdem nicht billigen.

Dem Lebensschutz Raum geben

Grübel will im Bundestag dazu beitragen, dass der Gesetzgeber einen Rahmen schaffe, der dem Lebensschutz Raum gebe. Im Spannungsfeld von Lebensschutz und Selbstbestimmung sieht er ersteren zunehmend auf dem Rückzug. Auch im Parlament gingen die unterschiedlichen Positionen zur Sterbehilfe quer durch alle Fraktionen. Den Politiker treibt auch die Sorge um, „dass Nützlichkeitserwägungen und die damit verbundene Frage von Kostenreduzierungen stärker in den Mittelpunkt rücken, wenn die finanzielle Situation der Krankenkassen angespannter wird.“ Dieses Nützlichkeitsdenken dürfe keine Rolle spielen. Im September werden sich die Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU mit Experten treffen, um sich über das Thema Sterbehilfe intensiv zu informieren.

Quelle: http://www.hospiz-esslingen.de/ , Autorin: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Susanne Kränzle, Gesamtleitung Hospiz Esslingen und
2. stellv. Vorsitzende des Hospiz- und PalliativVerband Baden-Württemberg e. V.

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