Offener Brief der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz an die Landesärztekammer Baden-Württemberg

Neufassung der ‚Grundsätze der Bundesärztekammer zur Sterbebegleitung’

Der Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Baden-Württemberg e.V. richtet sich mit folgendem Brief an die Landesärztekammer Baden-Württemberg:

(Bietigheim-Bissingen, 05.05.2011)  Neufassung der ‚Grundsätze der Bundesärztekammer zur Sterbebegleitung’

Sehr geehrter Dr. Clever,

die Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Baden-Württemberg nimmt mit großer Sorge den Paradigmenwechsel in den im Februar 2011 veröffentlichten „Grundsätzen der Bundesärztekammer zur Sterbebegleitung“ wahr. Hieß es früher, dass der ärztlich assistierte Suizid nicht dem ärztlichen Ethos entspricht, steht in der neuen Fassung, die Assistenz beim Suizid ist keine ärztliche Aufgabe.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Baden-Württemberg sieht darin eine Lockerung der bisherigen Haltung, die nicht nur Ärztinnen und Ärzte in schwere Konflikte stürzen kann, sondern auch betroffene Menschen, die sich dadurch verpflichtet fühlen können, ihr Leben vorzeitig zu beenden, um Angehörigen nicht länger emotional und finanziell zur Last zu fallen.

Wir sind nach Jahrzehnten der Hospizarbeit der Überzeugung, dass ein adäquates Palliativangebot betroffenen Menschen, Angehörigen und auch den betreuenden Fachpersonen hilft, die fraglos oft schweren Situationen miteinander zu bewältigen und gemeinsam zu tragen und so eine vorzeitige Beendigung des Lebens nicht als Option erwägen zu müssen. Gleichwohl müssen Ärztinnen und Ärzte sowie alle im interdisziplinären Team Mitarbeitenden geschult werden im Umgang mit Suizidwünschen.

Ein nicht ausreichendes Palliativangebot darf nicht ergänzt oder ersetzt werden durch die Erlaubnis, ärztliche Hilfe zum Suizid leisten zu dürfen bzw. in Anspruch nehmen zu können.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Baden-Württemberg bittet die Ärztekammern des Landes, sich beim Deutschen Ärztetag am 31. Mai 2011 vehement gegen eine Freigabe des ärztlich assistierten Suizides einzusetzen. Stattdessen muss der flächendeckende Ausbau der Palliativangebote im Sinne aller Beteiligten sofort, konsequent und nachhaltig umgesetzt werden.

Mit freundlichen Grüßen

für den Vorstand
Bernhard Bayer
Vorsitzender
Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Baden-Württemberg e.V.

 


Die Neufassung der "Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung" sind hier nachzulesen.

Weiterführende Informationen finden Sie auf den Seiten unseres Dachverbandes, dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband e.V.

Offener Brief der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz im PDF-Format:

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